Kapitalmarktausblick 03/2025
Die aktuelle Lage nach 2 Monaten Trump-Regime
Executive Summary:
Die neue US-Regierung beschädigt durch die Androhung von inflationssteigernden Zöllen und die chaotische Zerstörung von Behörden das Vertrauen der Verbraucher und damit das Wachstum der Wirtschaft. Zölle dämpfen auch die Investitionsbereitschaft der US-Unternehmen, deren Planungssicherheit sinkt. Hinzu kommen Belastungen für US-Unternehmen durch mögliche Gegenzölle der Handelspartnerländer der USA. Entsprechend steigt die wirtschaftspolitische Unsicherheit in den USA massiv an, während sie in Europa bereits wieder fällt. Diese Entwicklungen haben in wenigen Wochen den US-Dollar und die US-Aktienkurse deutlich gedrückt. Pläne eines Wirtschaftsberaters von Trump, die von anderen Ländern als Devisenreserven gehaltenen US-Staatsanleihen „freiwillig“ in 100-jährige US-Anleihen ohne Zins zu tauschen, wenn man weiterhin den militärischen Schutz der US-Armee genießen möchte, würden die Bonität der USA massiv schwächen. Da auf der anderen Seite des Atlantiks beschlossen wurde, die Investitionen in die europäischen Armeen stark zu erhöhen und insbesondere in Deutschland auch wieder wachstumsfördernd in Infrastruktur zu investieren, entsteht ein weiteres Aufwertungspotenzial für den Euro gegenüber dem US-Dollar. Damit besteht in den nächsten Jahren eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Outperformance von außeramerikanischen Aktienmärkten gegenüber dem US-Markt. Auch das Gold wird von diesem insbesondere für die USA schwierigen Umfeld und einem schwächeren US-Dollar weiter profitieren.
Die Verbraucher in den USA haben schon 8 Wochen nach dem Amtsantritt ein wenig schmeichelhaftes Urteil über den neuen US-Präsidenten gefällt. In den 869 Monaten seit Beginn der Befragung der US-Konsumenten im Jahr 1952 waren sie nur in 13 Monaten noch pessimistischer als im März 2025 (Grafik 1). Selbst während der früheren Rezessionen waren die Befragten weitaus besser gestimmt (graue gestrichelte Linie in Grafik 1) als heute (rote gestrichelte Linie). Die US-Wirtschaft dürfte unter diesem Regime – den seriösen Begriff „Regierung“ mag man der Trump-Mannschaft kaum noch zugestehen - erheblich leiden, denn auch die US-Unternehmen und die internationalen Kapitalanleger sind in wachsendem Maße verunsichert und reduzieren ihre Investitionen in den USA (Grafik 2). Der bisher hervorragende Ruf des Investitionsstandortes USA ist zunehmend gefährdet.

FINVIA hat die bis vor wenigen Wochen häufig vertretene Meinung, ein Präsident Trump wäre gut für die US-Wirtschaft, weil er die Unternehmenssteuern senken und die Wirtschaft deregulieren will, nie geteilt. Das Hauptargument gegen Deregulierung à la Trump und Musk stammt von dem Wirtschaftsnobelpreisträger des Jahres 2024, Prof. Daron Acemoglu, von der angesehenen US-Universität MIT. Nach seiner Auffassung wirkt Deregulierung nur dann positiv, wenn sie von Politikern durchgeführt wird, die ausschließlich das Allgemeinwohl im Auge haben. Ansonsten würden neben guten auch schlechte oder sogar betrügerische Geschäftsmodelle erleichtert werden. Das Allgemeinwohl haben die Herren Trump und Musk jedoch ganz sicher nicht im Blick. Musk braucht für seine Firma Tesla möglichst wenig Regulierung beim Thema autonomes Fahren und Trump hat mit seiner Kryptowährung TRUMP gezeigt, wie man (als designierter US-Präsident!) Anlegern in einem unregulierten Markt Geld abknöpfen kann. Diese „Währung“ hatte als erste Kursnotiz 8,3 US-Dollar am 18.1., am 19.1., dem Tag vor dem Amtsantritt Trumps, war der Kurs auf 70,66 US-Dollar hochgeschnellt und hatte sich am Abend des nächsten Tages bereits wieder halbiert. Heute dümpelt der Kurs dieser wert- und sinnlosen Anlage bei ca. 10 US-Dollar herum (Quelle: OFFICIAL TRUMP (TRUMP) Kurs, Grafiken, Marktkapitalisierung | CoinMarketCap). Elon Musk hat in der Vergangenheit bereits des Öfteren die „Spaßwährung“ Dogecoin beworben, deren Erschaffer ausdrücklich darauf hingewiesen hatten, dass es sich um eine sinnfreie und nutzlose Bitcoin-Parodie handelt. Dies tat er sicher nicht aus reinem Altruismus. Deregulierung schädigt den Durchschnittsamerikaner auch an anderen Stellen. Ein Elon Musk braucht für seine 14 (?) Kinder kein Bildungsministerium; auch nach den starken Kursverlusten der Tesla-Aktie wird es noch für ordentliche Privatschulen und Plätze an den Top-Unis der USA reichen. Auch auf die Unterstützung durch das Veteranen-Ministerium, das 80.000 Stellen streichen soll, sind Elon Musk, der kein US-Soldat war, oder Donald Trump, der sich vor der Einziehung zum Vietnamkrieg gedrückt hat, nicht angewiesen. Für viele ehemalige US-Soldaten, die Trump gewählt haben, sieht das ganz anders aus.
Mit der erratischen Zollpolitik und dem Versuch der Zerstörung staatlicher Institutionen hat Trump außer der Verunsicherung der Verbraucher und der US-Unternehmen auch Gegenzölle provoziert, die die US-Wirtschaft zusätzlich schädigen werden.

Der renommierte US-Hedgefonds Bridgewater, laut Wikipedia der vierterfolgreichste Hedgefonds der Geschichte mit einem Vermögen von 125 Mrd. US-Dollar, schätzt den negativen Einfluß von Trumps Zoll- und Handelspolitik auf das Wirtschaftswachstum der USA auf immerhin -0,7%-Punkte; nur Kanada würde mit -1,7%-Punkten noch stärker geschädigt werden (Grafik 3). Besonders übel wird den Trump-Wählern der geschätzte Anstieg der US-Inflationsrate um über 1%-Punkt aufstoßen (Grafik 4, im Rest der Welt (außer Kanada) werden sogar leicht inflationsdämpfende Effekte entstehen). Das ist exakt das Gegenteil von dem, was sich die Amerikaner von Trump erhoffen. 35% möchten nämlich, dass er sich in den ersten 100 Tagen seiner Regierungszeit mit der Bekämpfung der Inflation beschäftigt, nur 1% wünschen vor allem eine Einführung von Zöllen (Quelle: BCA, März 2025). In einer anderen Umfrage (Gallup-Meinungsforschungsinstitut) sehen die Befragten den Zustand der US-Wirtschaft (16% der Befragten) und die Inflation (8% der Befragten) als die beiden wichtigsten Probleme an, die von der Regierung gelöst werden müssen, nicht die Einführung von Zöllen (Quelle: BCA, März 2025).
Dazu kommen die von Trump gewünschten außenpolitischen Veränderungen. Würde er fordern, die USA sollten künftig vor allem mit Italien befreundet sein und Handel treiben, aber den Rest Europas mit Zöllen schädigen, würde wohl auch jeder Trump-Wähler den Kopf schütteln. Man streiche Italien, das im Jahr 2023 ein Volkseinkommen in Höhe von 2.301 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet hat, und ersetze es durch Russland, das im gleichen Zeitraum 2.021 Mrd. US-Dollar geschafft hat, also weniger als Italien. Die Wirtschaftsleistung Europas und damit die für amerikanische Unternehmen nutzbaren Einkommen der Europäer (ohne Russland und Belarus) ist mehr als 12-mal so groß. Auch Trumps Außenpolitik wird sich für die USA wirtschaftlich negativ auswirken.
Schließlich schädigt Trump auch die US-Wissenschaft, der dieser Staat seine technologische Überlegenheit zu verdanken hat. Manch ein Professor möchte vielleicht nicht mehr in einem Land forschen, dessen Vizepräsident Vance vor einigen Tagen gesagt hat: „The Professors are the enemy“ (Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 13 vom März 2025). Das passt zu Trumps Aussage vom 24.2.2016 vor seiner ersten Präsidentschaft: „Ich liebe die schlecht Gebildeten“ (wer es nicht glaubt: diesen Satz bitte einfach googeln). Seine Zuneigung zu gut Gebildeten ist demnach weniger ausgeprägt; bei besonders gut Gebildeten, z.B. Professoren, ist die Feindschaft nun bereits offizielle Staatsdoktrin. Der Internationale Währungsfonds hat in einer neuen Studie aufgezeigt, dass eine Steigerung der staatlichen Forschungsausgaben um ein Drittel die jährliche Wirtschaftsleistung pro Kopf um 0,2% steigern und sich damit nach durchschnittlich zehn Jahren bereits selbst finanzieren würde (Quelle: www.manager-magazin.de vom 23.3.2025). Trump will aber den US-Universitäten die finanziellen Mittel nicht aufstocken, sondern kürzen: „Bisher 420 und damit fast die Hälfte aller Nobel-Preisträgerinnen und -Preisträger kommen aus den USA. Großbritannien liegt weit dahinter auf Platz 2. Die Erfolge entstammen einer Wissenschaftslandschaft, die über so viele renommierte Forschungszentren und Universitäten und so große Wissenschaftsbudgets verfügt wie kein anderes Land der Welt. Für viele junge Forscherinnen und Forscher ist es ein Traum, in den USA zu arbeiten. Doch diese führende Rolle ist in wichtigen Bereichen in Gefahr, seit der neue US-Präsident einen regelrechten Angriff auf die Wissenschaft seines Landes begonnen hat, warnen führende Vertreterinnen und Vertreter der US-Wissenschaft. Kürzlich strich die Trump-Regierung der Columbia-Universität 400 Millionen Dollar Fördermittel und droht allen Hochschulen mit ähnlichem, die sich nicht auf ihren politischen Kurs einschwören lassen.“ (Quelle: www.riffreporter.de vom 19.3.2025). Eine der Folgen davon dürfte die Manipulation von Wirtschaftsstatistiken sein. Dies war schon in der verblichenen DDR gängige Praxis (Quelle: www.degruyter.com). Linke und rechte Diktatoren kommen eben aufgrund ihrer Unkenntnis und ihres Desinteresses bezüglich der Stärkung der Wirtschaft und des Wohlstands ihres Landes häufig auf dieselben Ideen.
Im Kapitalmarktausblick vom Februar 2025, den Sie am 28. Februar lesen konnten und hier finden, haben wir ausführlich begründet, warum eine nachhaltige Under Performance von US-Aktien und eine Abschwächung des US-Dollars zu erwarten sind. Der Dollar (Wechselkurs am 28. Februar: 1,038 US-Dollar pro Euro, aktuell 1,083) hat seitdem fast 6% verloren; die kräftige Under Performance von US-Aktien relativ zu anderen wichtigen Aktienmärkten zeigt Grafik 2.
Trump macht nun weitere Fehler, die den US-Aktienmarkt und den Dollar zusätzlich schwächen werden. Der „Fehler der Woche“ war die Äußerung von Trump, der US-Aktienmarkt sei ihm egal (Quelle: Business Insider, 15.3.2025). Bis dahin war man überwiegend der Meinung, dass Trump seine Agenda ändert, wenn die Aktienkurse zu stark fallen. Nun kann man da nicht mehr so sicher sein. Trump gerät mit seiner Politik ohnehin in schwieriges Fahrwasser. Die Absenkung der Unternehmenssteuern hat schon in Trumps erster Amtszeit als US-Präsident (2017 bis 2021) nichts Positives bewirkt, außer das Staatsdefizit weiter hochzutreiben (Grafik 5), obwohl die Arbeitslosigkeit bis Anfang 2020 (Corona-Krise) extrem niedrig war. Die Unternehmenssteuern wurden 2018 landesweit von 35% auf 21% abgesenkt (Quelle: IW-Wochenbericht 102 vom 22. Oktober 2020). Dies löste ebenso wenig einen Wirtschaftsboom aus wie die Erhebung von Zöllen, die Trump ab Januar 2018 angekündigt und ab Juli 2018 in Kraft gesetzt hatte. Kurz danach begann die Stimmung der Einkaufsmanager der US-Industrie von einem ziemlich hohen Niveau innerhalb von weniger als einem Jahr unter die 50-Punkte-Schwelle zu sinken, was eine Schrumpfung der Industrie signalisiert (Grafik 6). Für die Rezession Anfang 2020 (grauer Balken in Grafik 6) war Trump allerdings nicht verantwortlich; die Corona-Pandemie kann man ihm nicht in die Schuhe schieben.

Die Aktienkurse reagieren, wie bereits erwähnt, zunehmend negativ auf Trumps bisherige Politik. Das könnte für ihn das nächste Problem auslösen. Nachdem er in Rekordzeit die US-Konsumenten verunsichert hat (Grafik 1, auch Trump-Wähler sind Konsumenten), nimmt er sich jetzt die Reichen vor, deren Vermögensentwicklung eng an den US-Aktienmarkt gekoppelt ist (Grafik 7).

Sollte es in den USA zu einer Rezession kommen, was Trumps Finanzminister Bessent völlig entspannt als „gesunde Korrektur“ bezeichnet hat (Quelle: www.finanztreff.de vom 17.3.2025), dürfte der immer noch sehr hoch bewertete US-Aktienmarkt (Grafik 8) wie in jeder Rezession der letzten Jahrzehnte weiter sinken (Grafik 9, der bisherige Rückgang von 8% ist auf der Grafik kaum zu erkennen) und die Vermögen der reichen Amerikaner dezimieren.

Trump sollte angesichts der enormen Staatsdefizite (Grafik 5) und Staatsschulden sehr vorsichtig sein, eine Rezession fahrlässig in Kauf zu nehmen, denn während Rezessionen steigen die ohnehin extrem hohen Staatsschulden seit der Jahrtausendwende besonders stark an (Grafik 10). Da der „erfolgreiche Unternehmer“ Trump sich persönlich mit diversen Pleiten von hohen Schulden befreit und viele Gläubiger um ihr Geld gebracht hat, glaubt er möglicherweise, dass er diesen „Trick“ auch mit den Staatsschulden der USA versuchen könnte (siehe zu den diversen Bankrotten des Donald Trump: US-Präsidentschaftswahl: Führt Donald Trump die USA in eine Staatspleite? und Donald Trump und sein Vermögen: Die Illusion von Erfolg - ZDFheute). Trump könnte nämlich nach einem Plan seines neuen Wirtschaftsberaters Stephen Miran die Ausländer zur Kasse bitten, indem er Europäer, Japaner, Chinesen und die Golfstaaten zwingt, ihre US-Staatsanleihen, die als Währungsreserven gehalten werden, in zinslose US-Staatsanleihen mit 100 Jahren Laufzeit zu tauschen (Quelle: Wirtschaftswoche vom 14. März 2025). Nur dann würden diese Regionen weiterhin den militärischen Schutz der USA erhalten. Bei der aktuellen Rendite langlaufender US-Staatsanleihen von 4,61% würde ein Umtausch dieser Anleihen in zinslose 100-Jahres-Anleihen zu einem Kursverlust von 98,9% führen, denn 1,1 US-Dollar wachsen in 100 Jahren bei 4,61% Zins bei ständiger Wiederanlage der Zinsen auf 100 US-Dollar an; 100 US-Dollar in 100 Jahren sind also heute 1,1 US-Dollar wert. Dies entspricht nahezu einem Totalausfall von US-Staatsanleihen und würde den Dollar mit Sicherheit massiv schwächen. In deutlich moderaterer Form gab es vor 40 Jahren bereits eine ähnliche Initiative der Amerikaner unter dem ebenfalls republikanischen Präsidenten Reagan. Die USA hatten sich 1985 mit Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan unter Androhung von Zöllen darauf geeinigt, sich zwecks Verbesserung der US-Handelsbilanz einer Absenkung des US-Dollarkurses durch Dollarverkäufe nicht zu widersetzen. 2 Jahre später war der Dollarkurs um 40% gefallen und die Handelsbilanz der USA begann sich zu erholen. Zölle wurden daher nicht eingeführt. Seit Ende Februar hat der US-Dollar bereits fast 6% gegenüber dem Euro verloren. Wenn es politisch gewollt ist, kann ein Land den Wert der eigenen Währung beliebig herabdrücken, indem es z.B. seitens der Zentralbank Fremdwährungen kauft, gegebenenfalls auch mit frisch gedrucktem Geld. Man kann natürlich auch einfach den eigenen Ruf als solider Schuldner ruinieren, indem man versucht, die Gläubiger durch Erpressung dazu zu bringen, auf 98,9% der Forderungen zu verzichten. Dann gibt es ganz automatisch eine schwache Währung, ohne dass Trump weitere Aktivitäten durchführen muss.
Die Durchführung des Miran-Plans wäre mindestens der Fehler des Jahrzehnts.
Schon im Kapitalmarktausblick vom Februar hatte ich den berühmten amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln, den Sieger des US-Bürgerkriegs von 1861 bis 1865, zitiert: „Man kann alle Leute für einige Zeit und einige Leute für alle Zeit, nicht aber alle Leute für alle Zeit hinters Licht führen.“ (Quelle: www.zitate7.de). Frei übertragen auf die Wirtschaftspolitik von Donald Trump und Elon Musk könnte man sagen: Man kann Politik gegen die kleinen Leute machen (Verbrauchervertrauen sinkt), man kann Politik gegen die „Reichen“ machen (Aktienkurse sinken), man kann auch Politik gegen die ausländischen Investoren und Gläubiger machen (die Forderungen ausländischer Gläubiger nicht bedienen und/oder den Dollarkurs absacken lassen). Aber man kann nicht dauerhaft gegen alle drei Gruppen Politik machen, ohne erheblichen Schaden anzurichten. Trumps aktuelle Politik läuft jedenfalls auf einen nachhaltig fallenden Dollarkurs hinaus.
Wenn die seit 56 Jahren aus gutem Grund bestehende Korrelation zwischen dem Euro-Dollar-Wechselkurs und der relativen Performance von europäischen zu amerikanischen Aktien (Grafik 11) auch künftig gilt, werden europäische Aktien nach einer langen Phase der Underperformance künftig bei sinkendem Dollarkurs (steigende blaue Linie in Grafik 11 am linken Rand) stärker abschneiden als amerikanische. Dies gilt ebenso für die Aktien der Schwellenländer (siehe Kapitalmarktausblick vom Februar 2025, den Sie hier finden).

Ein schwächerer US-Dollar würde neben den Aktienmärkten außerhalb der USA auch dem Goldpreis helfen (Grafik 12).
Eine wirtschaftliche Erholung Europas wird den Abwärtsdruck auf den US-Dollar weiter erhöhen. Die außergewöhnlich starke Ausweitung der Staatsschulden in den USA seit 2008 hat die dortige Produktivitätsentwicklung und damit das Wachstum erheblich gefördert (Grafiken 13 und 14), während der Schuldenbremse in Deutschland eine große Mitverantwortung für die schwache Produktivitätsentwicklung und die Dauerkrise der letzten Jahre zuzurechnen ist.

Inzwischen hat die Eurozone im Vergleich zu den USA erheblich mehr Möglichkeiten, die Wirtschaft zu stimulieren. Grafik 15 zeigt den ungewöhnlich großen Abstand der Staatsverschuldung im Verhältnis zum Volkseinkommen zwischen der Eurozone und den USA, der sich insbesondere seit der Finanzkrise ab 2008 aufgebaut hat. In derselben Zeit fand auch die starke Outperformance amerikanischer Aktien statt (Grafik 11). Trump und sein offensichtlich überforderter Chefberater Elon Musk versuchen, durch planlose Entlassung zahlreicher Staatsbediensteter die Staatsausgaben zu drücken, um damit die von seinen Hintermännern gewünschte Steuersenkung für Unternehmen zu finanzieren. Das Dumme ist nur, dass die Absenkung der Staatsausgaben auch die Wirtschaft und damit die Steuereinnahmen schwächt, denn eine wachstumsfördernde Investitionswelle der Unternehmen, die zu steigenden Steuereinnahmen führen könnte, hat schon 2018 während Trumps erster Präsidentschaft nicht stattgefunden (Grafik 8).

Verunsicherte Unternehmen bleiben ebenso wie verunsicherte Verbraucher, die inzwischen die Corona-Zahlungen komplett ausgegeben haben (Grafik 16), eher sparsam. Grafik 17 zeigt, dass das durch den Inflation Reduction Act der Regierung von Präsident Biden stark stimulierte Wachstum der Investitionen in den Neubau von Fabriken inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen ist.

In Europa ist dagegen eine deutlich steigende Verschuldung durchaus finanzierbar, insbesondere wenn ein erheblicher Teil davon in wachstumsfördernde Infrastrukturinvestitionen gelenkt wird, wie es insbesondere in Deutschland nach 20 Jahren Untätigkeit zwingend notwendig ist. Die Europäische Union möchte außerdem über einen neuen Fonds und eine Lockerung der Stabilitätskriterien 800 Mrd. Euro für Rüstungsinvestitionen mobilisieren. Auch Rüstungsausgaben können das Wirtschaftswachstum nachhaltig ankurbeln, wenn sie in europäische statt amerikanische Unternehmen gelenkt werden (siehe die Aussagen des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, die sie hier im Kapitalmarktausblick vom Februar 2025 finden). Mit der Aussicht auf hohe Rüstungsaufträge über einen langen Zeitraum können die Unternehmen viel Geld für Forschung ausgeben, wie es jahrzehntelang in den USA gemacht wurde. Dabei entstanden zahlreiche auch außerhalb des Militärwesens nutzbare Technologien, z.B. das Internet oder das GPS-System.
In Deutschland ist der Nachholbedarf besonders groß, wie die langfristige Entwicklung der Produktivität pro Arbeitsstunde zeigt (Grafik 18), die hauptsächlich durch Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Technologie gefördert wird. Diese wurden seit dem Amtsantritt der Bundeskanzlerin Merkel Anfang 2006 konsequent unterlassen. Glücklicherweise zeigt sich die neue Regierung bereit, erhebliche Investitionen zu finanzieren. Allerdings ist noch nicht sicher, dass das Geld effizient eingesetzt und die Finanzierung wachstumsfördernd vorgenommen wird. „Investitionen“ in eine Ausweitung der Mütterrente sind reine Geldverschwendung. Eine Finanzierung durch höhere Steuern würde das Wachstumspotenzial schwächen. Die SPD verfolgt leider mit der Forderung nach einer Erhöhung der Abgeltungssteuer und der Spitzensteuersätze sowie der Wiedereinführung der Vermögenssteuer exakt das Falsche. Die Ökonomen, z.B. Prof. Schularick, Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, von denen sich der künftige Kanzler Merz hoffentlich weiterhin beraten lässt, empfehlen nämlich eine Finanzierung durch Schulden statt Steuern, weil nur so ein höheres Wachstum möglich wird (Quelle: IfW, Februar 2025).

Die ca. 350 Ökonomen und Finanzanalysten, die monatlich von ZEW (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim) befragt werden, äußerten sich nach Bekanntgabe der Pläne der künftigen deutschen Regierung, Infrastruktur- und Rüstungsausgaben mit einer hohen Neuverschuldung zu finanzieren, sehr positiv. Dabei wird die Entwicklung der Eurozone im März 2025 deutlich besser eingeschätzt, aber für Deutschland, das ja auch in der Infrastruktur einen hohen Nachholbedarf hat, ist der plötzliche Optimismus noch stärker gestiegen (Grafiken 19 und 20). In beiden Grafiken ist zu erkennen, dass die Befragten Rezessionen durchaus frühzeitig erkannt hatten – nur 2022 erwies sich der Pessimismus als nicht gerechtfertigt – und auch den Aufschwung schon während der Rezessionen (graue Balken) korrekt vorhergesagt hatten.

Insgesamt nimmt die wirtschaftspolitische Unsicherheit in Europa wieder ab, weil jetzt sichtbar wird, dass man die Probleme, die mit Trumps Regierungsantritt aufgetreten sind, lösen will und damit der Wirtschaft sogar helfen kann. Die Amerikaner dagegen merken jetzt, dass Trump ein erhebliches Risiko für ihre Wirtschaft bedeutet. Mit Ausnahme der Corona-Krise war die Unsicherheit der Amerikaner in den letzten 40 Jahren nie so hoch wie heute (Grafik 21), was manche Konsumausgabe und Investition in den USA verhindern dürfte.

Konsequenzen für das Portfolio
Wir bleiben bei US-Aktien weiterhin deutlich untergewichtet und konzentrieren uns auf defensive Sektoren wie Gesundheit, Basiskonsumgüter und Versorger. Diese Branchen sind in wirtschaftlichen Abschwungphasen in der Regel stabiler und könnten im Falle einer Rezession weniger stark betroffen sein. Gleichzeitig sind wir in Europa übergewichtet, um von der dortigen konjunkturellen Belebung zu profitieren.
Insgesamt sind wir bei Aktien untergewichtet und in Gold und Liquidität übergewichtet. Diese Positionierung bietet nicht nur Schutz vor Marktvolatilität, sondern erhöht auch unsere Flexibilität, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Gold dient dabei als sicherer Hafen in Zeiten finanzieller Unsicherheit und kann eine Absicherung gegen Währungsabwertung und Inflation bieten.
Abschließend unsere Kernaussagen aus dem ersten FINVIA-Kapitalmarktausblick vom 19. März 2020, den Sie hier finden:
Vor 5 Jahren - zu Beginn der Corona-Krise - prognostizierten wir „für langfristige Investoren am Aktienmarkt sehr attraktive Möglichkeiten“. Der Dax stand an diesem Tag bei 8900 Punkten, seitdem ist er um über 150% angestiegen. Außerdem erwarteten wir für Gold im Gegensatz zu Anleihen eine deutliche positive Performance. Der Goldpreis ist seitdem von 1.497 US-Dollar pro Unze auf 3.083 US-Dollar, also um 106% gestiegen, während Bundesanleihen inklusive aller Zinsen seitdem einen Verlust von 8,5% eingebracht haben. Schließlich erwarteten wir, dass „in einer stärker abgeschotteten Welt … höhere Inflationsraten vorherrschen dürften“. In den letzten 5 Jahren betrug die Inflationsrate durchschnittlich 3,8% p.a..
Damit sind alle Prognosen eingetroffen.
Den Kapitalmarktausblick können Sie auch hier herunterladen.